Weiberfastnacht –
von kotzenden Kühen und wuschigen Weiberhelden

Weiberfastnacht

Ich bin kein Jeck, aber arbeite in Köln. Ich bin auch nicht betrunken, aber sehe rosarote Elefanten. Betrunkene, rosarote Elefanten. Kaum zu deuten, aber es muss eine Kölsche Ur-Macht sein, die losgebrochen ist und den Geist aller Menschen um mich herum benebelt. Herr, gib all den betrunkenen Elefanten mehr Alkohol – es ist schon wieder Weiberfastnacht.

Ich dachte mir schon heute morgen, als ich im Halbschlaf in den Zug wankte, dass irgendetwas nicht stimmt. Die derbe Bierwolke, die sonst nur den Führerstand umhüllt, schlug mir schon beim Einstieg ins Gesicht und vermischte sich mit dem modrigen Geruch vermotteter Clown-Perücken. Es roch nach Partylaune und für gewöhnlich halte ich zu solch spontanen Gelegenheiten immer ein paar Underberg in meiner Westentasche bereit, aber selbst für einen Frankfurter Bub’ ist 6:55 Uhr noch ein wenig zu früh zum trinken. Hätte ich da nur geahnt, was der Tag noch alles an menschlichem Elend für mich bereithält…

6:55 Uhr – Eine Trinkzeit, die für Hirne unter modrigen Karnevalsperrücken wie geschaffen scheint, denn etwa drei Minuten saß ich erst im Zug, als ein Fußballfeld über einen leeren Bierkasten fiel. Was ist dabei grotesker? Ein betrunkenes Fußballfeld im ICE oder ein leerer Kasten Bier um 7 Uhr morgens. Andererseits war die Fußballfeld-Verkleidung eine der kreativeren, das weiß ich jetzt, wo ich mich wieder auf dem Heimweg befinde und meinen Blick durch Waggon 21 streifen lasse. Bernhardiner scheint mir sehr in Mode, ist aber lange nicht so ausgefuchst wie das Bierfass, das oben Bier hinein kippt, und unten aus dem Hahn wieder herauslassen kann, um Platz für noch mehr Bier zu machen. Ein geschlossener Kreislauf, eine EcoSphere sozusagen. Fantastisch.

Aus Waggon 19 jedenfalls musste ich fliehen, als ein Jägersmann mit Gummipfeilen durch die Abteile schoss und eine – kein Scherz -kotzende Milka-Kuh am Hinterkopf traf. Nun sind Milka-Kühe eigentlich friedfertige Grasfresser, aber diese hier… war eher aggressiv und entledigte sich einem Doppel Whopper. Eine deftige Mahlzeit, die mich augenblicklich an das Rubensweib erinnerte, das sich – fatalerweise als Elfe verkleidet – einen jungen Spongebob angelacht hatte und ihn bis nach Bonn Flughafen durchknutschte.

An dieser Stelle ist es dann auch Zeit, den Laptop wieder zuzuklappen und sorgsam mit der Verdrängung all dieser Bilder aus meinem Kopf zu beginnen. Außerdem schunkelt mir in diesem Moment eine 5-köpfige Gruppe Obstsalat entgegen, die scheinbar auch aussteigen möchte. Wenn ich mich nun geschickt anstelle, schmuggele ich mich zwischen Erdbeere und Banane, um mich von der vitaminreichen Mischung nach draußen schleusen zu lassen. Gelingt es mir, gelingt auch schnell der nächst Blog-Post, gelingt es mir nicht, hat mich der Jägersmann erlegt.

Autor: Christian Bösel

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Ein einziger Kommentar zu “Weiberfastnacht –
von kotzenden Kühen und wuschigen Weiberhelden”

  1. Nerd Wiki
    Donnerstag, 16. Februar 2012

    rofl

    na geht doch! Glückwunsch zum Blogstart. Und gelich so ein frivoler Artikel. PHATT! ;-)

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