Alles aus dem ‘Pädagogenschreck’ Archiv

TKKG – von Hörspielen, Schubladen und Fremdenfeindlichkeit

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Ich war nur kurz im Elternhaus, um den alten Dachboden auszumisten. Dabei fand ich einige TKKG-Kassetten aus meiner Kindheit, die meine Erinnerung an pädagogisch wertvolle Hörspiele zerstörten, denn ich erkannte: Hauptfigur “Tim” ist ein unendlich großer, gewalttätiger Riesenarsch!

TKKG –Tim, Karl, Klößchen und Gabi, waren Helden meiner Kindertage, die in meinen Augen – oder besser Ohren – ein fantastisches Abenteuer-Leben führten. Immer auf der Jagd nach bösen Buben, angesehen bei der Polizei und beneidet von den Klassenkameraden sind TKKG echte Volkshelden. Dabei bringen mich “Kameraden” und “Volk” unweigerlich auf meine erste Erkenntnis, die mich zutiefst erschütterte, als ich die alten Kassetten in meinem noch älteren Auto abspielte. Denn Tim entpuppte sich als offensichtlicher Fremdenfeind, der Vorurteile gegenüber Randgruppen schürt, Gewalt als legitimes Mittel zur Wahrheitsfindung ausübt und seine hübsche Freundin Gabi praktisch nur an seiner Seite hat, um NOCH besser auszusehen.

Tim alias “Tarzan” ist brillanter, fehlerloser Kopf der Bande und vergleichbar mit dem gut aussehenden Quarterback auf einer amerikanischen Highschool, der Schwächeren ordentlich eins auf die Schnauze haut und deswegen von den Püppchen aus den Cheerleader-Reihen vergöttert wird. Wie der gewöhnliche Pöbel kämpft der TKKG-Star allerdings nicht, denn Tim beherrscht die hohe Kunst des Judo und vermöbelt seine Feinde entsprechend mit Stil. Feinde, das sind im TKKG-Hörspiel vornehmlich Randgruppen, wie “Zigeuner”, Bettler, Obdachlose, Punker und “soziale Absteiger”, deren Anwesenheit immer dann gewiss ist, wenn es irgendwo nach Alkohol oder Zigaretten stinkt. Nur auf “Weiber” drischt der smarte TKKG-Tim nicht ein – ein echter Gentleman ist er eben auch.

TKKG-TimDie anderen TKKG- Mitglieder sind gegenüber Tim eher unscheinbar und in meinen Ohren belanglose Stereotypen. Der schlaue Karl ist dabei der typische Nerd und erinnert in seiner Art und Arbeit ein bisschen an den jungen MacGyver, der in brenzlichen Situationen auch schon mal einen Fallschirm aus zwei Streichhölzern bastelt. Gabi ist meinungslose Mitläuferin und hat nach Tims Aussage das Haus nach 22 Uhr nicht mehr zu verlassen, brenzliche Fälle zu später Stunde sind schließlich “Männersache“. Naja und Klößchen wird einfach seinem Namen gerecht, riecht ne Currywurst schon 5 Kilometer gegen den Wind und trägt stets einen Friedhof an geschmolzenen Schokoriegeln in seiner Hosentasche.

Die Polizei dagegen kommt recht gut weg, was sicherlich auch an der Tatsache liegt, dass Gabis Vater selbst Polizist ist. Stets zuverlässig und hilfsbereit hat der Freund und Helfer seinen Auftritt, um Tims Präventivschläge zu rechtfertigen. Denn TKKG-Tim liegt niemals falsch und seine Fäuste fliegen ausschließlich in die Gesichter derer, die sich eines Verbrechens schuldig gemacht haben. Auch wenn das zu diesem Zeitpunkt so recht noch keiner weiß. In Sachen Umgang mit der Staatsgewalt haben TKKG jedenfalls Vorbildfunktion, was man von anderen Hörspiel-Helden aus meiner Kindheit nicht unbedingt behaupten kann.

Benjamin Blümchen beispielsweise, der dicke, naive Elefant aus dem Neustädter Zoo, pöbelt in der ersten Folge “Benjamin auf dem Baum” gegen die Polizei, leistet erbitterten Widerstand und erinnert ein bisschen die Hausbesetzer der späten 70er. Wie ich meinen Lieblingselefanten heute wahrnehme, werde ich mir der nächsten Zeit noch einmal überprüfen, denn neben den TKKG-Kassetten fand ich Dutzende Benjamin Blümchen-Hörspiele. Aber zunächst schließe ich mit einem Auszug charakteristischer TKKG-Zitate, über die ihr euch noch wundern werdet!

Ich will mehr pädagogisch wertvolle TKKG-Dialoge!

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Kinderbücher – Wie ich aus meinem Nachwuchs einen Schwachmaten forme

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Kinderbücher sind super und eigentlich meint man es ja gut mit seinen eigenen, wenn man ihnen ein bisschen Lesestoff unterjubelt. Die Operation schlaues Kind kann aber auch schief gehen… das weiß ich, weil ich ausschließlich den Bussi Bär gelesen habe.

Bunte Kinderbücher vermitteln unheimlich tolle Sachen, die zum Beispiel den Wortschatz fördern, den Lesefluss verbessern oder den Rackern die Rechtschreibung in bunten Buchstaben aufzeigen. Außerdem fördern Kinderbücher die Fantasie der Sprösslinge und ebnen den Weg für eine kreative Künstlerkarriere – oder so. Aus so manch hoffnungsvollem Nachwuchs wird im Alter aber auch eine durchgeknallte, hyperaktive Nervensägen, ein Klugscheißer, ein Ober-Schwachmat, ein Nerd oder sogar ein Porno-Sternchen. Das liegt dann freilich nicht an der Erziehung oder MTV, sondern nur an den falschen Kinderbüchern

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